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Liedermacher und die 68er. Und warum es heute nur noch um Liebe geht…..

1968 vs. 2012.

Die Geschichte der BRD um das Jahr 68 herum ist zweifelsohne eng mit der Geschichte der Studentenbewegung verwoben. Nicht nur in den USA versammelten sich junge Menschen in Masse um gegen das System zu rebellieren. Es war international die Zeit der Revolution. Drogen, Sex, Rock und Antikriegs-Demonstrationen waren ihr Ausdruck, die logische Konsequenz einer Ausgangsposition: Veränderung der  bestehenden Werte und Normen, Änderung des Systems, es anders machen als „die Alten“.

Heute ist dies anders, die Jugend scheint träge. Meine Generation ist die Generation „schwarz-weiß“, die einen sehnen sich regelrecht nach Spießertum, die anderen wollen einfach nicht erwachsen werden und keine Verantwortung übernehmen. Wir spalten uns. Die einen mit den Kindern und dem ottonormal Job, verheiratet! Und die mit den großen Träumen, die mit 30 Jahren immer noch jedes Wocheende auf der Piste sind, auf der ständigen Suche sind und oft gar nicht wissen wonach. Und die ganz wenigen, die es geschafft haben Karriere zu machen. Vielleicht haben wir einfach schon resigniert. Vielleicht glauben wir nichts mehr ändern zu können. Das die Liebe das einzige ist, was uns eine Daseinsberechtigung gibt. An Politik scheint ein reges Desinteresse zu herrschen. Das spiegelt eine Generation musikalisch in ihrer Musik wieder! Doch zunächst ein kleiner Rückblick.

In den 60 er Jahren des 20 Jahrhunderts waren die Kinder der NS Zeit erwachsen geworden. Die Ältere Generation sah sich somit mit Fragen ihrer Nazi Vergangenheit konfrontiert. Während man in den 50er Jahren noch das Weltwirtschaftswunder feiern konnte und versuchte die Vergangenheit zu vergessen sah sich die  Kriegsgeneration jetzt mit unangenehmen Fragen konfrontiert und von zunehmender Arbeitslosigkeit bedroht.

Die Studentenbewegung kam nicht von einem Tag auf den anderen. Ihr voran ging ein stiller Prozess, der mit der politischen Geschichte Deutschlands seit 1945 einhergeht.

Die 1949 durch das Grundgesetz inkrafttretende BRD war von Anfang an der Frontstaat im Kalten Krieg zwischen  den Ost und Westmächten. Durch die  Ära Adenauer jedoch stellte sich die BRD auf eine klare Seite, die des Westens. Mit dem Weltwirtschaftswunder wurde die noch von KPD, SPD und Gewerkschaften 1945 geforderte „Entmachtung der Monopolisten“ immer unattraktiver. Auch die Arbeiterschicht erreichte das Wohlstandsdenken.[1] Während der Ära Adenauer konnte die CDU ihre Macht immer mehr ausbauen. Die KPD verlor immer mehr Anhänger. 1959 beschließt die SPD endgültig sich von der Arbeiterpartei zur Volkspartei und kehrt dem Marxismus damit den Rücken zu.  Was somit auch zum Bruch mit der SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund) führt.

Mit der Bildung der Großen Koalition 1966 schlägt die Stunde der zumeist aus der SDS entstanden APO (Außerparlamentarische Opposition). Die SPD „erkaufte“ sich  ihren Regierungssitz durch die Zustimmung zum Notstandsgesetz, welches dem Staat dazu bemächtigen sollte im militärischen und zivilen Ausnahmezustand der Exekutive uneingeschränkte Freiheit einzuräumen. Die im Gesetz verankerten Grundrechte sahen viele links orientierte Bürger, so auch die Studenten damit gefährdet. Dem nicht genug war der neue Kanzler Kurt-Georg Kiesinger, ehemaliges Mitglied der NSDAP. Und auch andere Alt Nazis begleitenden hohe Ämter in der BRD. So wie zum Beispiel  unter anderem der Bundespräsident der BRD Heinrich Lübke (im Amt von 1959-1969). Außenpolitische Themen der Studenten waren zudem, die Militärdiktatur in Griechenland und die Unterdrückung der Perser, durch ihren Schah. Am 2 Juni 1967 besucht eben dieser Schah von Persien, Resa Pahlewi, und seine Frau Farah Diba Westberlin. Während die Mehrheit der Deutschen sich auf den Besuch des Glamour Paares freuten, sorgte es unter den Gebildeten für Aufruhe. Über die katastrophalen sozialen und politischen Zustände der Diktatur Persien informiert sammelten sie sich zum Protest gegen den Besuch in Westberlin. Die Situation eskaliert, als Anhänger des Schahs auf die Protestanten los gehen. Die Polizei greift ein, doch nicht zu Gunsten der Demonstranten. Die Demonstration wird blutig niedergeschlagen, ein Student lässt sein Leben: Benno Ohnesorg. Dies war wohl der entscheidenden Wendepunkt. Die Demonstrationen griffen jetzt auf die gesamte Bundesrepublik über. Zum Redensführer der Bewegung wurde der linke Flügel der SDS und sein Wortführer Rudi Dutschke.

Obwohl die Proteste der Studenten schon 1967 zur Massenbewegung ausuferte n, so ist es doch das Jahr 1968, dass bis heute als bis heute als Synonym für die Protestbewegung gilt. Grund dafür ist wohl, dass in diesem Jahr die Bewegung seinen Höhepunkt erreichte. Nicht nur mehr Studenten waren an ihr beteiligt. Auch Arbeiter, Angestellte und Schüler waren involviert. Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke wurde der Axel Springer Verlag zur Hauptangriffsfläche der Demonstranten! Auch international kann 1968 als Höhepunkt erklärt werden. Am 4. April 1968 wird der Friedensredner und Führer der schwarzen Bürgerbewegung Martin Luther King ermordet. Was zu Aufständen in 125 US- Großstädten führte. In Vietnam schwächen die Vietkong die amerikanischen Truppen durch Tet- Offensive. Am 2. Oktober 1968 werden in Mexiko demonstrierende Schüler und Studenten durch Panzergewalt niedergeschlagen. Die Studenten in Frankreich legten im Mai 68 das ganze Land lahm.

Das psychologisch oberste Ziel der 68er Bewegung war die Abkapselung von den Eltern. Provoziert wurde wo nur konnte und bester Ausdruck war, abgesehen von Kleidung und Haaren, die Musik. Während die ältere Generation zu Heintje schmachtete und die deutschen Charts von Interpreten wie Roy Black  und Peter Alexander dominiert wurden, hörten die jungen “Revoluzzer“ Beat und Rock. 2 Musikrichtungen die ihre Wurzeln in der schwarzen Musik Amerikas hatten, sowie in der Arbeiterschicht Liverpools und sich zu dieser Zeit immer weiter entwickelten und populärer wurden.

Politische Songs schrieben vor allem Joan Beaz und Bob Dylan andere amerikanische Bands und Musiker. Diese Lieder fallen zumeist unter den Begriff “Protestsongs“. In Deutschland waren es die  so genannten Liedermacher die zu den aktuellen politischen Geschehnissen Stellung nahmen und „Protestsongs“ schrieben.

Der Begriff “Liedermacher“ stammt von Wolf Biermann aus dem Jahr 1961. Wolf Biermann war ein Liedermacher aus der DDR. Der Begriff kann daher historisch der Generation 68 zugeordnet werden.  „Es sollte ein Wort sein wie Schuhmacher oder Perückenmacher. Es sollte den lähmenden Respekt mindern, es sollte ermuntern selber Lieder zu schreiben, indem es die handwerkliche Seite, die erlernbare, deutliche zur Erscheinung bringt.“ Biermann Zitat nach Kirchenwitz 1993[2]

Die Strömungen der Liedermacherszene waren vielseitig. Es gab die Liedermacher, die man eher als “sozialkritisch“ bezeichnet werden, wie Konstantin Wecker und Reinhold Mey. Und Liedermacher die zwar ebenfalls sozialkritische Lieder schrieben ,auf Grund ihrer politischen Ambitionen in einigen Büchern als „politische Liedermacher“ bezeichnet werden, wie Franz Josef Degenhardt, Dieter Süverkrüp und Hannes Wader. Zudem gab es noch das politisches Kabarett von Hannes Dieter Hübsch und Wolfgang Neuss und Liedermacher , die an die Tradition des Volk- und Arbeiterlieder anknüpften.

Musikalisch begleitenden sich die Liedermacher zumeist selbst  ausschließlich  mit einer Gitarre.

Als Mitbegründer der Liedermacherszene zählen der Schriftsteller Gerd Semmer und Dieter Süverkrüp. Die beiden trafen sich im Jahre 1956. Süverkrüp vertonte Semmers Schriften. Ihre Lieder gewinnen mit den Ostermärsche ab 1960 immer mehr an Popularität. Und nach und nach gewinnen so die Lieder in deutscher Sprache zunehmend mehr an Bedeutung für die aufkommende Bewegung. So wurde auf der Burg Waldeck ein Festival der Liedermacher veranstaltet, welches sich im Laufe der Jahre immer mehr zu einem politischen Podium entwickelte.

Trotz all diesem politischen Hintergrund blieben die meisten und bis heute bekannten Liedermacher eher ruhig in ihren Tönen. Textlich und musikalisch erschufen sie Stimmungen. Die Inhalte waren bei vielen gesellschaftskritisch. Es waren musikalische Geschichten, die zum Nachdenken auffordern sollten. So auch Franz Joseph Degenhardts wohl bekanntester Song dieser Generation der Liedermacher „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“.

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern,

sing nicht ihre Lieder.

Geh doch in die Oberstadt

machs wie deine Brüder

 

so sprach die Mutter, sprach der Vater

lehrte der Pastor,

Er schlich aber immer wieder durch das Gartentor

und in die Kaninchenställe,

wo sie sechundsechzig spielten

um Tabak und Rattenfelle,

Mädchen unter Röcke schielten

Wovon handelt dieser Text? Kleinbürgertum und dem ewigen Zwang der Gesellschaft nach oben streben zu müssen. Mit mehr Witz geht Hannes Wader dieses Thema an, bei ihm klingt das ganze dann so:

„Sie packten ihn am Arm, führten ihn in einen Raum,
da hing ein hoher Vorgesetzter, höher als ein Baum
von der Zimmerdecke, festgeschnallt auf einem Stützkorsett,
Dessen nackter Hintern pendelte schön glänzend, bleich und fett;
wie ein praller Gasballon, nur zigtausend mal so schwer,
als die Tür aufging, kaum wahrnehmbar, im Luftzug hin und her.

Da fragt man sich doch, ob sich diese Thematik in der heutigen Gesellschaft nicht mehr wieder findet? Warum beschäftigen sich die heutigen Liedermacher, die sich nun aus PR-Gründen lieber Singer Songwriter nennen, meist mit dem Thema Liebe? Und das obwohl es in unserer Gesellschaft mehr denn je um Leistungsdruck geht.

Schön sind sie ja, die Lieder von Gisbert von Knyphausen oder Philipp Poisel, melancholisch, musikalisch auf hohem Niveau, sicher, aber kritisch, weniger.

Und so sind die Texte meiner Generation so wie meine Generation nun mal – auf der Suche nach Liebe und/oder Freiheit.

„Ich werd nicht fragen werd immer nur suchen niemals bleiben
denn es ist aufregend alleine zu sein
ja, ja, ja
man sagt als Single könne man alles erreichen,

und es sei schön, so schön, so schön
und es sei schön, so schön und auch so verdammt cool
ein Cowboy zu sein
ein Cowboy zu sein
wir wollen immer Cowboys sein“  G. v. Knyphausen

Heut muss man schon Abstriche bei der lyrischen Qualität des Textes machen, wenn man nach Gesellschaftskritik sucht. Deichkind oder deutschen Hip Hop hören. Wenigstens die sprechen das an, was uns doch eigentlich bewegt, wenn wir grade mal nicht versuchen zu vergessen. Doch irgendwie traurig…

„Bück dich hoch! Komm steiger den Profit!
Bück dich hoch! Sonst wirst du ausgesiebt!
Bück dich hoch! Mach dich beim Chef beliebt!
Bück dich hoch! Auch wenn es dich verbiegt!
Bück dich hoch! Komm steiger den Profit!
Bück dich hoch! Sonst wirst du ausgesiebt!
Bück dich hoch! Mach dich beim Chef beliebt!
Bück dich hoch! Bück dich hoch, ja!“ Deichkind



[2] s. „1968“ Jens Renner S.7,


[1] Vgl.:„1968“ Jens Renner S.7


[1] Vgl. „1968“ J. Renner S. 12

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